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Elbe-Jeetzel-Zeitung
vom 10.12.1999
20 Jahre Rechtshilfe Gorleben -
Eine halbe Mio. DM für den Widerstand
"Gerade jetzt wachsam sein"
gh Trebel. Zwei Jahrzehnte lang hat die Rechtshilfegruppe Gorleben im
juristischen Kampf gegen die Atomanlagen die Fäden in der Hand gehalten.
Unermüdlich hat sie sich durch den Dschungel von Gesetzen und Paragraphen
gewühlt, Gelder gesammelt und Prozesse koordiniert. Sie hat in den 20 Jahren
ihres Bestehens ein Stück Widerstandsgeschichte geschrieben - Grund genug
für eine Geburtstagsfeier.
Im vollbesetzten Saal der "Trebeler Bauernstuben" erinnerte Marianne Fritzen
an die Turbulenzen in der Gründungsphase. Schon bald nach der Bekanntgabe
von Gorleben als Standort für das atomare Entsorgungszentrum im Februar 1977
war klargeworden, daß es zu langwierigen juristischen Auseinandersetzungen
kommen würde. Doch über die Taktik wurde damals heftig gestritten.
Einzelne
Anwohner und Gewerbetreibende, die nachweisen konnten, daß sie von den
geplanten Atomanlagen in ihren Rechten direkt betroffen waren,
mußten als Kläger auftreten. Es galt damals, eine Organisation außerhalb der
Bürgerinitiative quasi im rechtsfreien Raum zu finden, um diesen
Einzelpersonen finanziell den Rücken freizuhalten. Ein Rechtshilfefonds
wurde gegründet, Forschungsaufträge vergeben, Gutachter ausgewählt und
Rechtsanwälte, Wissenschaftler und Kläger zusammengeführt.
Hauptbetroffener der Pläne für das Gorlebener Atommüllager war Andreas von
Bernstorff, dem ein großer Teil des geplanten Baugeländes gehörte und an den
die Deutsche Gesellschaft für die Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoff en
(DWK) im März 1978 ein Kaufangebot richtete. Berater war damals der bekannte
Rechtsanwalt de Witt. Er riet, ein Stück Wald an die DWK zu verkaufen, um
mit dem Erlös die zukünftigen Enteignungsprozesse zu finanzieren. "Eine
absurde Idee", wie der hiesige Widerstand damals meinte.
So kamen der Berliner Rechtsanwalt Reiner Geulen und später auch der
Hamburger
Anwalt Nikolaus Piontek ins Spiel, die seit 20 Jahren dabeigeblieben sind.
Geulen empfahl damals, die Grundstücke um keinen Preis zu verkaufen, eine
Strategie, die den Atomstromern bis heute Kopfzerbrechen bereitet.
Bei der Gründung der Rechtshilfegruppe ahnte wohl kaum einer, welche Flut an
Klagen, Revisionen, Eilverfahren, Weisungen und Änderungen der sofortigen
Vollziehbarkeit in der Folge auf sie zurollen würde. Mehr als eine halbe
Million DM hat die Gruppe bis heute gesammelt und auf diese Weise eine Fülle
von Prozessen unterstützt.
Anfangs war die Zusammenarbeit von Rechtshilfe
und Klägern noch von großer Unsicherheit geprägt: Umständliche Vertragswerke
sollten die Risiken mindern, niemand wußte ja, wie es mit der Bewegung gegen
den Atommüllstandort Gorleben weitergehen würde. "Heute gibt es eine Basis
des absoluten Vertrauens ", freut sich Rechtshilfesprecherin Asta von Oppen,
"manch einer der Kläger gibt seine Unterschrift inzwischen blind."
Auch angesichts einer neuen rot-grünen Bundesregierung sieht die
Rechtshilfegruppe keinen Grund, die Hände in den Schoß zu legen. "Jm
Gegenteil", so betont Asta von Oppen, "gerade jetzt müssen wir wachsam sein.
Wichtige Aufgaben stehen uns bevor." So unterstützt die Rechtshilfegruppe
ein Verfahren gegen die CastorTransporte. Im kommenden Jahr wird auch die
dritte und letzte Teilerrichtungsgenehmigung für die
Pilotkonditionierungsanlage erwartet, gegen die ebenfalls eine Klage
vorbereitet wird.
Um ihre Kasse wieder aufzufüllen, hat die Rechtshilfegruppe jetzt die Aktion
"Sfaf" ("Scheffeln für alle Fälle") gestartet, bei der genau 400 von
hiesigen Künstlerinnen gestaltete Lose zum Stückpreis von 50 DM unter die
Spender gebracht werden sollen. Die Bekanntgabe der Gewinner erfolgt
zeitgleich mit der Weihnachtsansprache von Bundespräsident Roman Herzog über
Radio Freies Wendland (101 MHz).
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