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12.04.2012
Gorleben wird zur Genehmigung
vorbereitet -
ergebnisoffene Standortsuche nur ein Alibi?
Die Vorläufige Sicherheitsanalyse Gorleben muss abgebrochen werden
Bei der Suche nach dem vergleichsweise
sichersten Endlagerstandort für Atommüll geht es Bundesumweltminister
Norbert Röttgen angeblich um einen echten Neuanfang. Doch die Durchführung
der „Vorläufigen Sicherheitsanalyse Gorleben“ (VSG) steht dazu in krassem
Widerspruch. Denn in diesem Forschungsprojekt werden mit einem enormen
finanziellem und personellem Aufwand schon jetzt die Genehmigungsgrundlagen
für Gorleben erarbeitet. So werden Fakten geschaffen, die die notwendige
Offenheit der angekündigten Standortsuche konterkarieren.
Eine vorläufige Sicherheitsanalyse soll eine Prognose darüber abgeben, ob
ein sicheres Endlager an einem Standort möglich ist. Voraussetzung ist
jedoch, dass der betreffende Standort als Ergebnis eines
sicherheitsorientierten Auswahlverfahrens festgelegt worden ist. Das trifft
auf Gorleben bekanntlich nicht zu.
Dennoch will der Bund die VSG unbedingt zu einem „qualifizierten Abschluss“
bringen. Doch eine Fortführung dieses Projekts würde den Standort Gorleben
weiter zementieren. Dafür sprechen mehrere Gründe:
· Bis jetzt sind wesentliche Aspekte der
Bewertung der Langzeitsicherheit von Endlagerstandorten noch nicht
abschließend geklärt. Sie unterliegen der Gefahr, im Rahmen der VSG durch
gorlebenspezifische Sachverhalte und Interessen beeinflusst zu werden.
· In der VSG werden keine Abbruchkriterien für Gorleben genannt. Daher gibt
es den immanenten Zwang, in Gorleben weiterzumachen: Auch bei einem
kritischen Ergebnis der VSG werden Bewertungen vorliegen, die eine weitere
Erkundung in Gorleben als sinnvoll erscheinen lassen.
· Angesichts der vom Bundesumweltministerium mit der VSG beauftragten
Wissenschaftler kann von einer unabhängigen Bewertung keine Rede sein. Die
beteiligten Gutachter bzw. Wissenschaftsinstitutionen haben sich entweder
schon seit Jahrzehnten auf Gorleben festgelegt, sind bekannte Atomlobbyisten
oder zumindest eng mit der Atomindustrie verflochten (siehe Anlage).
Dazu sagt Asta von Oppen, die
Vorsitzende der Rechtshilfe Gorleben: „Wir fordern den sofortigen Abbruch
der Vorläufigen Sicherheitsanalyse Gorleben. Andernfalls ist alles Gerede
von einer ergebnisoffenen und sicherheitsorientierten Standortsuche eine
Farce.“
______________________________________________
Anlage
Der Atomfilz und die VSG
Die mit der Vorläufigen Sicherheitsanalyse
Gorleben (VSG) beauftragten Experten sind fast ausschließlich
Wissenschaftler bzw. Sachverständigenorganisationen, die sich seit
Jahrzehnten auf den Standort Gorleben festgelegt haben oder eng mit der
Atomindustrie verflochten sind. Zum Teil handelt es sich auch um dieselben
Institutionen, die einst die Skandalkippe Asse für unbedenklich erklärt
haben und nun die Genehmigung von Gorleben vorbereiten.
An der VSG beteiligte Wissenschaftsinstitutionen:
· Gesellschaft für Anlagen- und
Reaktorsicherheit (GRS): Die traditionell atomfreundliche GRS hat die
Federführung für die VSG. Ihr Chef, Prof. Frank-Peter Weiß, saß vor Kurzem
noch im Präsidium des Deutschen Atomforums, einem Lobbyverband der
Atomwirtschaft.
· Institut für Sicherheitstechnologe (IStec) GmbH: ein
Tochterunternehmen der GRS.
· Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR): Die
Fachbehörde des industriefreundlichen BMWi hat sich seit Jahrzehnten auf das
Endlagermedium Salz und den Standort Gorleben festgelegt. Führende
BGR-Geologen waren Anfang der 80er Jahre auch mitverantwortlich dafür, dass
– entgegen den Empfehlungen etlicher Experten – mit der Erkundung von
Gorleben als einzigem Salzstock begonnen wurde. Die BGR soll im Rahmen der
VSG quasi die von ihr selbst aufbereiteten Erkundungsergebnisse bewerten.
Auf ihrer Homepage heißt es dazu: "Trotz der noch nicht abgeschlossenen
Erkundung des Erkundungsbereiches 1 (EB 1) kann nach den bisherigen
Untersuchungen festgestellt werden, dass aus geowissenschaftlicher Sicht
keine Erkenntnisse aus dem Salinar gegen die langzeitsicherheitliche Eignung
des Salzstocks Gorleben für die Endlagerung radioaktiver Abfälle vorliegen.“
(Quelle BGR:
www.bgr.bund.de/DE/Themen/Endlagerung/Endlagerstandorte/Gorleben/gorleben_inhalt.html
)
· Karlsruher Institut für
Technology (KIT): Das Institut finanziert sich zu großen Teilen über
Drittmittel aus dem BMWi. Es ist über den „Kompetenzverbund Kernenergie“ eng
mit den Atomkonzernen verbündet.
· DBE Technology (DBETec): Tochterunternehmen der DBE (Deutsche
Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern für Abfallstoffe), die zu 75
Prozent den vier großen Energiekonzernen gehört und direkt an den
Bauarbeiten in Gorleben verdient.
· Nuclear safety engineering GmbH (nse): Die Firma wurde 2010
gegründet, unmittelbar vor Vergabe der Aufträge für die VSG. Alleiniger
Gesellschafter ist ausgerechnet der bekannte Atomlobbyist und ehemalige
Vattenfall-Manager Prof. Bruno Thomauske, heute Inhaber eines von RWE Power
subventionierten Lehrstuhls an der RWTH Aachen. Nach SZ-Informationen soll
Thomauske im Rahmen der VSG für mehr als 800.000 Euro zentrale Fragen bei
der Bewertung von Gorleben bearbeiten. Zitat Thomauske 2004 zu Gorleben:
„Der Eignungsnachweis, ob der Standort für hochradioaktive,
wärmeentwickelnde Abfälle geeignet ist, könnte schon heute erfolgen.“
(Quelle: BT-Drucksache 17/6639 der Fraktion Die Grünen).
· Prof. Klaus-Jürgen Röhlig: Der Experte für Sicherheitsanalysen soll
als „unabhängiger“ Gutachter die Qualität der VSG-Ergebnisse überprüfen.
Röhlig ist an der TU Clausthal (TUC) Inhaber eines Stiftungslehrstuhls, der
von der Gesellschaft für Nuklearservice (GNS) – also zu 100 Prozent von den
vier Atomkonzernen - finanziert wird. Dazu heißt es in der Antwort auf eine
Kleine Anfrage der Grünen im Niedersächsischen Landtag: „Das
Anforderungsprofil und die vorgesehenen Arbeitsschwerpunkte der
Stiftungsprofessur werden im Einvernehmen zwischen der GNS und der TUC
abgestimmt.“ (Februar 2012
Weitere Informationen:
Überblick über die VSG.pdf
5. April 2012
Einladung zum Pressefrühstück
Gorleben wird zur Genehmigung vorbereitet – Ergebnisoffene
Endlagersuche nur ein Alibi?
Bei der Suche nach einem möglichst sicheren Atommüllendlager geht es
Bundesumweltminister Röttgen angeblich um einen echten Neuanfang. Bund und
Länder verhandeln jetzt über ein „Standortauswahlgesetz“, das ein
ergebnisoffenes Suchverfahren garantieren soll. Doch unbemerkt von der
Öffentlichkeit werden in Gorleben endgültige Fakten geschaffen. Eine
Schlüsselfunktion hat dabei die „Vorläufigen Sicherheitsanalyse Gorleben“ (VSG).
In dieser Studie werden mit einem enormen finanziellen und personellen
Aufwand die Genehmigungsunterlagen für den umstrittenen Salzstock
erarbeitet. Die beauftragten Gutachter sind bekannte Gorleben-Befürworter,
Atomlobbyisten oder werden über Stiftungslehrstühle direkt von der
Energiewirtschaft bezahlt. Der Bund will die VSG zu einem „qualifiziertem
Abschluss“ bringen. Doch wenn dieses Projekt nicht abgebrochen wird, ist der
Standort Gorleben kaum mehr aufzuhalten – trotz Standortauswahlgesetz und
trotz der Warnungen zahlreicher Endlagerexperten.
Über die Hintergründe informieren
Asta von Oppen (Rechtshilfe Gorleben)
Dr. Detlef Appel (Geologe, PanGeo, Hannover)
Jürgen Kreusch (Geologe, intac GmbH, Hannover)
Nikolaus Piontek (Rechtsanwalt, Hamburg)
Die Rechtshilfe Gorleben e.V. sowie die Fraktionen im Niedersächsischen
Landtag von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke laden Sie herzlich ein
zu einem
Pressefrühstück
am Donnerstag, 12.April 2012, 11:00 Uhr
im Restaurant am Leineschloss (Präsidentensuite)
Außerdem nehmen VertreterInnen der Landtagsfraktionen teil. Die Abgeordneten
Andrea Schröder-Ehlers (SPD), Stefan Wenzel (Bündnis 90 / Die Grünen) und
Kurt Herzog (Die Linke) stehen Ihnen für Fragen zur Verfügung.
29.
Februar 2012, Hamburg, Berlin, Hannover,
Lüchow-Dannenberg:
Erklärung von Umweltorganisationen und
Anti-Atom-Initiativen zur Bund-Länder-Arbeitsgruppe für ein
Endlagersuch-Gesetz:
An das
Bundesumweltministerium,
Bundeswirtschaftsministerium
sowie die für das Endlagersuchgesetz zuständigen Landesministerien.
Neustart bei Endlagersuche erfordert Ausschluss von
Gorleben und gesellschaftlichen Dialog von Anfang an
Bei der Suche nach einem vergleichsweise sicheren Atommülllagerstandort geht
es Bundesumweltminister Röttgen angeblich um einen echten Neuanfang und
einen „nationalen Konsens“. So jedenfalls steht es in dem Gesetzesentwurf,
der zurzeit zwischen Bund und Ländern beraten wird. Doch schon dieser
Findungsprozess widerspricht jedem Konsensgedanken und jedem ernsthaften
Anspruch einer Bürgerbeteiligung. So werden die Kernpunkte des geplanten
Endlagersuchgesetzes hinter verschlossenen Türen ausgehandelt, ohne in
diesen Fragen kompetente und engagierte gesellschaftliche Akteure wie
Umweltverbände, Kirchen oder Gewerkschaften einzubeziehen. Auch die
Betroffenen der bisher gescheiterten Atommüll-Politik rund um die Standorte
Asse, Morsleben, Schacht Konrad und Gorleben bleiben außen vor. Gleichzeitig
wird in Gorleben weiter erkundet und gebaut. Und mit der „Vorläufigen
Sicherheitsanalyse Gorleben“ (VSG) wird das Verfahren zur Durchsetzung
dieses Endlagers unbeirrt vorangetrieben. Obendrein soll das Gesetz in
atemberaubendem Tempo zusammengebastelt und noch vor der Sommerpause
verabschiedet werden.
Von einem fairen, wissenschaftlich begründeten und ergebnisoffenem
Endlagersuchverfahren mit umfassender Öffentlichkeitsbeteiligung kann unter
diesen Bedingungen keine Rede sein. Einen gesellschaftlichen Konsens wird es
so nicht geben.
Bürgerinitiativen und Umweltorganisationen fordern seit Jahren eine breite
gesellschaftliche Debatte im Umgang mit dem Atommüll, an dessen Ende eine
gesetzlich geregelte, transparente und ergebnisoffene Standortsuche stehen
soll. In einem solchen Findungsprozess müssen von Anfang an nicht nur Bund,
Länder und Parteien, sondern alle in dieser Frage relevanten
gesellschaftlichen Interessengruppen eingebunden sein. Und angesichts der
skandalösen Vorgänge um das Endlager Asse und die Standortbenennung in
Gorleben müssen die Fehler der Vergangenheit schonungslos aufgearbeitet und
die entsprechenden Konsequenzen gezogen werden. All diese Forderungen sind
bisher nicht erfüllt.
Nicht nur das Verfahren und der Zeitplan der Gesetzesfindung, auch
wesentliche Inhalte des Entwurfs sind mit dem Prinzip einer umfassenden und
demokratischen Teilhabe sowie dem Ziel einer ergebnisoffenen Standortsuche
nicht vereinbar. So wird von der Regierung ein neues, nahezu allmächtiges
Bundesinstitut aus dem Hut gezaubert, das den gesamten Planungs- und
Beteiligungsprozess steuern, die Sicherheitskriterien quasi im Alleingang
entwickeln und schließlich das Endlager genehmigen und beaufsichtigen soll.
Und eine Bürgerbeteiligung ist erst in einer späteren Phase vorgesehen, wenn
diese Sicherheitskriterien längst festgelegt sind.
Klar ist, dass es kein absolut sicheres Endlager gibt, das für eine
Million Jahre Radioaktivität gegenüber der Biosphäre abschirmt. Gerade
deshalb fordern wir den Bundesumweltminister zu einem echten Neustart bei
der Suche nach dem bestmöglichen Standort für ein Endlager auf - so wie er
es immer verkündet hat.
Voraussetzung dafür ist der Ausschluss des Endlagerprojektes Gorleben vor
Beginn eines neuen Verfahrens. Dazu gehört nicht nur der sofortige Stopp der
Erkundungsarbeiten, sondern vor allem auch ein Abbruch der VSG. Nur die
Aufgabe des politisch verbrannten und geologisch ungeeigneten
Endlagerstandortes Gorleben ermöglicht einen wirklichen Neuanfang in der
Endlagersuche und ein ergebnisoffenes Verfahren. Ansonsten wird jede
Entscheidung etwa bei der Entwicklung der Sicherheitskriterien immer
zugleich auch eine Entscheidung über die Eignung oder Nichteignung von
Gorleben sein.
Wir fordern zweitens eine umfassende Beteiligung der Öffentlichkeit, bevor
der Gesetzesentwurf weiter beraten wird. Ein Parteienkonsens ist kein
gesellschaftlicher Konsens. Nur ein Verfahren, in dem von Anfang an alle in
der Endlagerfrage relevanten und engagierten Interessengruppen eingebunden
sind, eröffnet die Chance für einen echten Neuanfang und einen
gesellschaftlichen Konsens.
Diese Erklärung wird unterstützt von:
.ausgestrahlt, Bäuerliche Notgemeinschaft, BUND Bundesverband, BUND
Landesverband Niedersachsen, Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow
Dannenberg, campact, contrAtom, Greenpeace Deutschland, NaturFreunde
Deutschlands, Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte
in sozialer Verantwortung (IPPNW), Rechtshilfe Gorleben, ROBIN WOOD,
Pastor Eckhard Kruse, Gartow (Lüchow-Dannenberg), Wilhelm Kulke,
Mitglied im Ausschuss für Umweltfragen des DGB-Bezirkes
Niedersachsen-Bremen-Sachsen-Anhalt, Hans-Jürgen Wolters, Propst
i.R., Forum NGO & Gewerkschaften, Rudi Sproessel, Mitglied des DGB –
Umweltausschuss, Vorstand des DGB Kreisverbandes Lüchow – Dannenberg.
Kontakt:
Jochen Stay, .ausgestrahlt, 0170-9358759
Wolfgang Ehmke, BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, 0170 510 56 06
Thorben Becker, BUND Deutschland, 0173-6071603
Christoph Bautz, Campact, 0163-595 75 93
Dirk Seifert, ROBIN WOOD, 0176-48118442
27. Januar 2012
BGR nimmt zur Kleemann-Studie
Stellung
Keine Antworten
auf die entscheidenden Fragen
Mit einer
ausführlichen Stellungnahme hat die Bundesanstalt für Geowissenschaften und
Rohstoffe (BGR) jetzt auf die im Dezember veröffentlichte Gorleben-Studie
des Geologen Dr. Ulrich Kleemann reagiert. Grundsätzlich begrüßen wir es,
wenn die Behörde sich endlich einer öffentlichen schriftlichen
Auseinandersetzung stellt. Doch statt die wesentlichen Kritikpunkte in der
Studie ernsthaft zu diskutieren, weicht die BGR auf inhaltliche Randaspekte
aus, operiert teilweise mit Halbwahrheiten und beruft sich immer wieder auf
interne, bisher unveröffentlichte Berichte. Außerdem versuchen die
Behördengutachter nach altbekannter Manier, ihren Kritiker Kleemann und
seine Auftraggeber zu diskreditieren. So wird der Begriff Studie in
Anführungszeichen gesetzt und Geologe Kleemann durchgehend nur als „Autor
der Unterlage“ tituliert.
Kleemann hat in
seiner Studie auf der Grundlage einer umfassenden Literaturrecherche die
mangelhafte wissenschaftliche Arbeit der BGR scharf kritisiert. Fazit des
früheren Fachbereichsleiters im Bundesamt für Strahlenschutz (BfS): Die
Aussagen der BGR über die „Eignungshöffigkeit“ des Gorlebener Salzstockes
sind ungenügend begründet. Neuere wissenschaftliche Ergebnisse, die die
Eignung des Salzstocks in Frage stellen, werden komplett ausgeblendet. Die
BGR erklärt dagegen, sie habe sich sehr wohl mit den von Kleemann
angeführten Quellen auseinander gesetzt. Die seien allerdings nicht in ihren
offiziellen Übersichtsbänden zu Gorleben, sondern nur in den zugrunde
liegenden Fachberichten zitiert, auf die sich Kleemann kaum beziehen würde.
Dabei verschweigt die Bundesanstalt, dass diese Unterlagen gar nicht
veröffentlicht und deshalb jeder fachlichen Beurteilung von außen entzogen
sind. Berichte unter Verschluss sind wissenschaftlich ohne Wert.
Die
BGR nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau
Auch bei anderen
Fragen nimmt es die BGR mit der Wahrheit nichts so genau. So versucht sie
fälschlicherweise den Eindruck zu erwecken, als würde sich Kleemann beim
Thema „aktive Störungszone“ nur auf die frühen, damals auch von Duphorn und
Schneider bezweifelten Aussagen von Prof. Grimmel stützen. Tatsächlich
erwähnt Kleemann den Fall Grimmel eher am Rande, um die frühe Festlegung der
BGR auf Gorleben und den Umgang mit Kritikern zu dokumentieren. Seine These
einer aktiven Störungszone begründet er vor allem mit einer Vielzahl neuerer
Befunde und Zitate, die die BGR auch in ihrer aktuellen Stellungnahme wieder
hartnäckig ignoriert.
Selbst für
Nicht-Geologen anrüchig ist der Versuch der BGR, die Diskussion über die
Bedeutung eines stabilen Deckgebirges als unsinnig darzustellen. Bis zur
Entdeckung der Gorlebener Rinne war die Bundesanstalt der gleichen Meinung
wie Kleemann und andere Geologen. In ihrer Salzstudie empfahl die BGR sogar
noch 1995, bei Standortvergleichen die Salzstöcke mit intaktem Deckgebirge
vorzuziehen. Heute dagegen behauptet die Behörde, eine solche Beurteilung
"blende selektiv bestimmte Zeiträume aus". Schließlich sei es nicht
auszuschließen, dass eiszeitliche Gletscher im Laufe der nächsten Million
Jahre auch andere Standorte in Norddeutschland beschädigen könnten. Schon
auf den ersten Blick ist das ein fadenscheiniges Argument. Kein Pilot würde
durch ein schweres Gewitter fliegen, weil er nicht ausschließen kann, dass
es womöglich auch woanders ein Unwetter geben könnte. Es ist offensichtlich,
dass die BGR ein Sicherheitskriterium, das sie gestern noch selbst für
wichtig gehalten hat, heute vom Tisch fegt, weil es eindeutig gegen den
Standort Gorleben spricht.
Zentralen Kritikpunkte nicht
entkräftet, sondern bestätigt
Unseriös ist
zudem die Behauptung der BGR, Kleemann würde mit seiner Einschätzung zur
Gorlebener Rinne „auch im Widerspruch zu einer aktuellen Aussage der BfS“
stehen. Kleemann selbst kommentiert das so: „Diese Aussage in dem
sogenannten VERSI-Bericht des BfS basiert allein auf den Arbeiten der BGR,
also des Herrn Keller. Besser konnte die BGR ihre Arbeitsweise des
wiederholten Selbstzitats nicht verdeutlichen.“
Mit ihrer
Stellungnahme zur Kleemann-Studie kann die BGR den Verdacht nicht
entkräften, dass sie bei ihrer Aufarbeitung der Erkundungsergebnisse die
Absicht verfolgt, die politische Vorfestlegung auf den Salzstock Gorleben zu
stützen und mögliche KO-Kriterien aus dem Weg zu räumen. Im Gegenteil: Die
zweifelhaften Methoden, mit denen die Bundesanstalt die Kritik der
Kleemann-Analyse zu entkräften versucht, bestätigen gerade die zentralen
Kritikpunkte der Expertise. Dabei hat die Arbeit der BGR größte politische
Konsequenzen: Sie bildet das Fundament, auf dem die "Vorläufige
Sicherheitsanalyse Gorleben" (VSG) Aussagen über die Eignung des Salzstockes
treffen wird. Wenn die BGR schon durch in ihren Untersuchungen
Vorfestlegungen trifft, ist das Ergebnis der „Sicherheitsanalyse“
automatisch verzerrt.
Kernfragen
der Kleemann-Studie sind bisher unbeantwortet
Deswegen hoffen
wir, dass diese Diskussion fortgesetzt wird. Folgende Kernfragen, die sich
aus der Kleemann-Studie ergeben, sind von der BGR bisher gar nicht oder nur
unzureichend beantwortet worden:
·
Warum werden die unveröffentlichten Berichte der BGR nicht veröffentlicht?
·
Die
BGR erwähnt zwar, dass Bewegungen im Erdmantel – also in ca. 30 km Tiefe –
zu einer Aufwölbung auch im Bereich Gorleben geführt haben. Sie ignoriert
aber, dass durch diese Aufwölbung die Erdkruste instabil geworden ist.
Welche Folgen hat diese Instabilität für den Salzstock, wenn die nächsten
Eiszeiten Gletscher über die Region Gorleben schieben? Warum setzt die BGR
sich nicht mit der jüngeren Literatur zu den entsprechenden Störungen
auseinander, die durch Eiszeiten ausgelöst werden können?
·
Zum
Ausschluss von Tiefenstörungen ist die 2D-Seismik untauglich – warum
verzichtet die BGR auf Untersuchungen mittels 3D-Seismik?
·
Wo
berücksichtigt die BGR die Verhältnisse im Rotliegenden, also der
Gesteinsschicht unter dem Salzstock, in der sich Gasvorkommen gebildet
haben?
·
Auch die BGR streitet die Existenz von Bruchzonen, über die Gas von unten in
den Salzstock gelangen könnte, nun nicht mehr ab. Die entscheidende Frage
ist: Wann waren sie noch aktiv? Die BGR schweigt dazu.
·
Wie
belegt die BGR, dass keine Gase in den Endlagerbereich eindringen können?
·
Eiszeitgletscher haben tiefe Rinnen in die norddeutsche Erdoberfläche
gefräst. Allerdings nicht bei jeder Eiszeit und überall, sondern überwiegend
nur in der Elsterzeit und in der mitteleuropäischen Senkungszone. Dabei ist
das Deckgebirge des Gorlebener Salzstockes verletzt worden, andere
Salzstücke blieben dagegen unversehrt. Wie begründet die BGR ihre
Auffassung, dass diese Salzstöcke in Zukunft ebenfalls von Eiszeitgletschern
beschädigt werden?
·
Warum bezieht die BGR die Arbeiten des Geologischen Landesamtes von
Brandenburg nicht mit ein, die eine bedeutende Bruchzone im Bereich des
Gorlebener Salzstockes zeigen? (Beispielsweise sämtliche Arbeiten
Stackebrandts, auch aus den Jahren 2004 und 2005?)
·
Warum wurden und werden auch andere wesentliche Literaturstellen nicht
erwähnt?
Rechtshilfe
Gorleben
und
Bäuerliche Notgemeinschaft Lüchow-Dannenberg (
www.baeuerliche-notgemeinschaft.de )
Die Stellungnahme
der BGR als
PDF-Datei, 15 Seiten
4. Januar 2012
Juristischer Erfolg gegen CDU-Abgeordnete
Wieder wurde ein Gorleben-kritischer Wissenschaftler diffamiert
Die niedersächsischen CDU-Bundestagsabgeordneten Reinhard Grindel und
Eckhardt Pols sind mit ihrem Versuch, durch diffamierende Äußerungen den Ruf
des Berliner Endlagerexperten Dr. Ulrich Kleemann zu beschädigen,
gescheitert. Gegen Grindel hat das Landgericht Berlin eine einstweilige
Verfügung erlassen. Pols unterzeichnete nach Abmahnung durch die Anwälte
Kleemanns eine Unterlassungserklärung.
Kleemann hat kürzlich mit einer Gorleben-kritischen Studie für Aufsehen
gesorgt. In seiner Literaturrecherche im Auftrag der Rechtshilfe Gorleben
kommt der Geologe und ehemalige Fachbereichsleiter im Bundesamt für
Strahlenschutz (BfS) zu dem Schluss, dass der Salzstock Gorleben nicht
einmal die Mindestkriterien für ein Atomendlager erfüllt. Nach
Veröffentlichung seiner Expertise wurde Kleemann von diversen CDU-Politikern
durch Falschbehauptungen persönlich heftig attackiert. So verbreitete
Grindel in einer Pressemitteilung, Kleemann habe das BfS verlassen, „weil er
als führender Mitarbeiter der bundeseigenen Gesellschaft Asse GmbH die
Probleme im dortigen Endlager nicht in den Griff bekommen“ habe. Inzwischen
wurde ihm im Rahmen einer einstweiligen Verfügung vom Landgericht Berlin
untersagt, diese Behauptung weiter aufzustellen.
Zuvor hatte sein niedersächsischer Fraktionskollege Pols nach Abmahnung
durch eine von Kleemann beauftragte Kanzlei bereits eine
Unterlassungserklärung unterzeichnet. Danach darf er nicht mehr behaupten,
Kleemann sei „im Frühjahr 2010 plötzlich vom BfS-Präsidenten König entlassen
worden“. Tatsächlich hatte Kleemann seine Funktion als Fachbereichsleiter im
BfS nämlich selbst gekündigt, weil er nicht bereit war, den Beschluss der
Bundesregierung zur Weitererkundung des Salzstockes Gorleben mitzutragen.
Dazu erklärt Asta von Oppen von der Rechtshilfe Gorleben: „Anscheinend haben
die Gorleben-Befürworter aus den letzten 35 Jahren nichts gelernt. Statt
sich mit den Inhalten der Kleemann-Studie sachlich auseinander zu setzen,
wird offenkundig versucht, das Ansehen des Endlagerexperten durch
Falschbehauptungen zu beschädigen. Dieses Muster ist uns altbekannt.
Renommierte Wissenschaftler, die den Standort Gorleben in Frage stellen,
wurden in den letzten dreißig Jahren immer wieder öffentlich verunglimpft
und kaltgestellt. Prominente Beispiele sind die Professoren Grimmel und
Duphorn.“ Dazu passt auch die Reaktion des Bundesamts für Geowissenschaften
und Rohstoffe (BGR), die von Kleemann wegen ihrer mangelhaften Aufbereitung
der Erkundungsergebnisse scharf kritisiert wurde. So qualifizierte der
zuständige BGR-Abteilungsleiter Volkmar Bräuer die Expertise geradezu
reflexartig als „zweifelhafte Studie“ ab, bevor er sie überhaupt zu Gesicht
bekommen hatte.
Kleemann selbst sagt: „Es ist bedauerlich, dass man sich juristisch gegen
ehrabschneidende Behauptungen wehren muss, nur weil man sich kritisch zur
Eignung Gorlebens geäußert hat. Bisher habe ich noch keine fachlichen
Argumente gegen meine Expertise gehört. Ich halte es für dringend
erforderlich, dass endlich offen fachlich-wissenschaftlich über die Geologie
des Salzstocks Gorleben diskutiert werden kann, ohne diffamiert zu werden.“
(Der Beschluss des Landgerichts Berlin gegen Grindel erging am
20.12.2011 im schriftlichen Eilverfahren unter dem Az. 27 O 822/11. Gegen
die Entscheidung sind Rechtsmittel möglich.)
13. Dezember 2011
Neue Studie: Gorleben kann kein Endlager sein
Ein Insider deckt auf, was die Behördengutachter verschweigen
Die
Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat in ihren
Berichten über die Erkundungsergebnisse in Gorleben in unglaublicher Weise
geschlampt. Neuere wissenschaftliche Ergebnisse, die die „Eignungshöffigkeit“
des Salzstocks in Frage stellen, werden von den Behördengutachtern komplett
ausgeblendet. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Geologen Dr.
Ulrich Kleemann im Auftrag der Rechtshilfe Gorleben.
Kleemann, der bis April 2010 als Fachbereichsleiter im Bundesamt für
Strahlenschutz (BfS) für die Endlagerung zuständig war, kommt zu dem
eindeutigen Schluss: Gorleben erfüllt nicht einmal die vom Arbeitskreis
Endlager (AKEnd) entwickelten Mindestkriterien. Bei einem ergebnisoffenen
Standortvergleich käme der Salzstock nicht in die engere Wahl. Doch die für
seine geologische Bewertung zuständige BGR, die sich seit Jahrzehnten auf
ein Endlager in Gorleben festgelegt hat, ignoriert den aktuellen Stand der
Wissenschaft.
Besonders skandalös: Die von der BGR hingebogenen Erkundungsergebnisse
fließen so auch in die „Vorläufige Sicherheitsanalyse Gorleben“ (VSG) ein.
Die VSG soll im Auftrag des Bundesumweltministeriums eine Prognose darüber
abgeben, ob ein sicheres Endlager am Standort Gorleben möglich ist. Doch
auch in dieser großen Studie wirken wieder die Wissenschaftler der BGR
selbst mit – und können so dafür sorgen, dass ihre tendenziösen Vorarbeiten
auch das Ergebnis der Sicherheitsanalyse wie gewünscht aussehen lassen.
Zusammenfassung der Studie
6. Oktober 2011
Schulterschluss gegen Scheindialog
Der sogenannte Gorleben-Dialog des
Bundesumweltministeriums (BMU) ist eine Farce – die Veranstaltung findet
ohne die Atomkritiker im Wendland statt
Seit Wochen wirbt das Bundesumweltministerium (BMU) in großformatigen
Anzeigen für einen sogenannten Gorleben-Dialog. Dies ist der zweite Versuch
des Bundesumweltministers Norbert Röttgen (CDU). Bereits Ende letzten Jahres
hatte das BMU vergeblich versucht, in der Region um Gorleben
Gesprächspartner dafür zu finden. Ein Bündnis aus den meisten im Kreistag
von Lüchow-Dannenberg vertretenen Parteien, Amtsträger/innen und
verschiedenen Umweltorganisationen, die „Schulterschluss-Gruppe“, erklärte
schon damals, dass sie die vom BMU initiierte Kampagne für einen
„Scheindialog“ hält.
An dieser ablehnenden Haltung habe sich nichts geändert, bekräftigt Asta von
Oppen von der Schulterschluss-Gruppe erneut. „Erstens kann ein Dialog über
einen einzigen Standort nicht ergebnisoffen sein. Und zweitens kann eine
solche vom BMU kontrollierte Dialog-Inszenierung kein faires
Standortauswahlverfahren mit Bürgerbeteiligung ersetzen.“
Röttgens „Gorleben-Dialog“ spiegele Transparenz und Einflussmöglichkeiten
für die Bevölkerung nur vor, kritisiert die Schulterschluss-Gruppe. Im
Hintergrund werde im Dreischichten-Betrieb im Salzstock gebaut, das
Verfahren zur Durchsetzung eines Endlagers unbeirrt weitergeführt. So habe
das BMU längst die Aufträge in Höhe von 8,97 Mio. Euro für eine sogenannte
„Vorläufige Sicherheitsanalyse Gorleben“ (VSG) vergeben. „Diese große Studie
hat eine Schlüsselfunktion,“ stellt Asta von Oppen fest. Und moniert: „Damit
beauftragt werden ausgerechnet Wissenschaftler, Firmen und Behörden, die
auch das havarierte Atommüllendlager Asse einmal für sicher gehalten haben
und die die Bundesregierung seit Jahrzehnten mit Gorleben-freundlichen
Gutachten versorgen.“
Als Beispiel nennt die Schulterschluss-Gruppe den Ex-Vattenfall-Manager
Bruno Thomauske: Der sei ein ausgewiesener Atomlobbyist und solle nun über
eine eigens gegründete Strohfirma namens "international nuclear safety GmbH
(nse)" die Eignung des Gorlebener Salzstockes beurteilen. Die
Bundesregierung wolle dem Salzstock trotz aller geologischen Mängel noch vor
der nächsten Bundestagswahl 2013 den Stempel „geeignet“ aufdrücken.
„Von einem offenen Ergebnis kann unter diesen Bedingungen keine Rede sein!“
konstatieren die Gorleben-Gegner. „Mit einem Schein-Dialog sollen lediglich
die schweren Mängel im Auswahlverfahren des Standortes Gorleben und die
fehlende Bürgerbeteiligung im Nachhinein kaschiert werden.“
Die Schulterschluss-Gruppe fordert einen echten Neuanfang im Umgang mit
Atommüll: „Wir wollen eine bundesweite, gesellschaftliche Debatte und ein
gesetzlich geregeltes transparentes Verfahren mit dem Ziel, den
bestmöglichen Standort für die Lagerung der Jahrtausende tödlich strahlenden
Abfälle zu finden.“
Ein Baustopp in Gorleben sei Mindestvoraussetzung und erster Schritt auf dem
Weg hin zu einer Revision der bisherigen Atommüllpolitik. „Der sogenannte
Gorleben-Dialog verdient diese Bezeichnung nicht,“ meint Asta von Oppen. „Er
ist und bleibt eine Farce, an der wir nicht mitwirken werden.“
Unterzeichner:
Jürgen Schulz, Landrat des Landkreises Lüchow-Dannenberg (parteilos)
Martin Donat, stellv. Landrat, Vorsitzender des Ausschusses Atomanlagen,
Katastrophenschutz und Öffentliche Sicherheit (GLW)
Klaus-Peter Dehde, Fraktionsvorsitzender SPD im Kreistag
Wolfgang Wiegreffe, Fraktionsvorsitzender UWG im Kreistag und Bürgermeister
der Gemeinde Trebel
Kurt Herzog, Fraktionsvorsitzender GLW im Kreistag und Mitglied des
Landtages (Die Linke)
Elke Mundhenk, Fraktionsvorsitzende Bündnis‘90/Die Grünen im Kreistag
Boris Freiherr von dem Bussche, Fraktionsvorsitzender FDP im Kreistag
Asta von Oppen, Rechtshilfegruppe Gorleben
Bäuerliche Notgemeinschaft Lüchow-Dannenberg
Kerstin Rudek, Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg
Rudi Sproessel, Kreisverband Lüchow-Dannenberg
Martin Schulz, Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft
Lüchow-Dannenberg
BUND Lüchow-Dannenberg
NABU Lüchow-Dannenberg
Anna Gräfin v. Bernstorff, Mitglied im Vorstand des Kirchenkreises Lüchow
Dannenberg
Andreas Graf v. Bernstorff, Gräfl. Bernstorff´sche Land- und Forstverwaltung
Fried Graf v. Bernstorff, Grundstückseigentümer und Eigentümer umfangreicher
Salzrechte
Rebecca Harms, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europäischen Parlament
Johanna Voß, Mitglied des Bundestages (Die Linke)
Andrea Schröder-Ehlers, Mitglied des Landtages (SPD)
Miriam Staudte, Bündnis‘90/Die Grünen Landtagsfraktion, Wahlkreis „Elbe“
(Lüneburg/Lüchow-Dannenberg)
12. Oktober 2010
Gorleben ist nicht zu heilen
Keine Beteiligung bei Akzeptanzbeschaffung
Im Oktober 2010 veröffentlichten Wissenschaftler aus dem
Bereich der Politik und Sozialwissenschaft ein Diskussionspapier mit dem
Titel „Schlüsselentscheidungen und -maßnahmen für einen gehaltvollen
Dialogprozess“.
An den darin gemachten Vorschlägen, Gorleben nachträglich durch runde
Tische, Begleitgruppen und gläserne Prozesse zu „einem „gehaltvollen
Dialogprozess“ zu bringen, werden wir uns nicht beteiligen.
Im 21. Jahrhundert können Großprojekte ohne öffentliche Beteiligung und
alternative Standortprüfung nicht mehr durchgeführt werden. Den Versuchen
aus Berlin und Hannover der Entscheidung für Gorleben nachträglich ein
Mäntelchen demokratischen Vorgehens umzuhängen, werden wir mit aller
Entschlossenheit entgegentreten. Wir werden wie das Kind in dem Märchen von
des Kaisers neuen Kleidern mit dem Finger auf all diejenigen zeigen, die
sich an diesen Verfahren beteiligen.
Es ist davon auszugehen, dass sich außer den Standortgemeinden
Gartow/Gorleben keine relevante gesellschaftliche Gruppe an diese
fragwürdigen Verfahren beteiligen wird. Die Standortgemeinden sind durch
ihre Vereinbarung mit dem Betreiber des Zwischenlagers (GNS) und den daraus
erwachsenden jährlichen Zuwendungen finanziell abhängig und befangen.
Nachdem jetzt fest steht, wie geplant ist in Gorleben durchzuregieren
(Anwendung des alten Bergechtes, Atomgesetznovelle, vorläufige
Sicherheitsanalyse, Anpassung der Sicherheitsanforderungen an die
Gegebenheiten in Gorleben) empfinden es die Menschen vor Ort als Hohn, ihnen
jetzt noch informelle Beteiligungsverfahren anzubieten. Mit der Anwendung
des alten Bergrechts wird die erforderliche formale Bürgerbeteiligung ja
gerade umgangen-
Aus juristischer Sicht ist es wichtig festzustellen, dass die in dem Papier
vorgeschlagenen diversen Beteiligungsverfahren in einem späteren
Planfeststellungsverfahren als Bürgerbeteiligung gewürdigt werden können.
Mit Bestürzung nehmen wir zur Kenntnis, dass Einrichtungen wie das
Öko-Institut, das ITAS (Institut für Technikfolgenabschätzung) und
renommierte Professoren wie Ortwin Renn und Armin Grunwald sich durch ein
solches, im Auftrag des BMU verfasste Papier, an diesem Versuch der
nachträglichen Heilung beteiligen. In diesem Papier werden dem BMU
vermeintliche Wege aufgezeigt, in Gorleben weiterzukommen. Es wird der
Anschein erweckt, als könne der eklatanteste Mangel der aktuellen
Atompolitik, dass es kein Endlager für HAW gibt, durch ein groß angelegtes
Beteiligungsverfahren demnächst behoben werden.
Nachdem 33 Jahre lang die Bevölkerung bewusst umgangen worden und
gleichzeitig Fakten geschaffen worden sind, führen derartige Vorschläge zu
einer weiteren Eskalation.
Dialogverfahren setzten Vertrauen in Staat und „unabhängige“ Wissenschaftler
voraus. Dies ist wieder ein Beispiel, wie Wissenschaft interessensorientiert
arbeitet.
Das
Diskussionspapier im Wortlaut (PDF)
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Weitere Informationen:
Überblick über die VSG.pdf
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